Die Vorsehung – Plädoyer für das Töten

solace2-xlarge

Bitte nicht noch ein Hannibal Lecter-Film, dachte ich am Anfang der Sneak Preview. Dr. Clancy, gespielt von Anthony Hopkins, wird – wie schon Lecter in Schweigen der Lämmer – bei einer einfallslosen Reaktivierungszeremonie vom Sohnemann aus seinem Einsiedlertum geholt und in den FBI-Dienst gestellt. Mittels seiner hellseherischen Fähigkeiten soll er bei der Jagd auf einen Serienmörder (Colin Farrell), der den Ermittlern immer einen Schritt voraus zu sein scheint, behilflich sein. Doch auch der Killer entpuppt sich als Seher und so wird der Thriller mehr und mehr zu einem Kristallkugel-Duell, an dessen Ende man sich wünscht: Weiterlesen

The Wolf of Wall Street

the-wolf-of-wall-street-speech

Zerstörerische Marktwirtschaft

Wenn Tyler Durden in Fight Club einer durch antikapitalistische Träumereien legitimierten Destruktionslust frönt, die in der Sprengung des Finanzviertels ihren Höhepunkt erreicht, hat er nicht verstanden, wie sehr das Zerstörerische zum Wesen des Kapitalismus gehört. Ganz anders Martin Scorsese, der in The Wolf of Wall Street den Blick auf eben dieses destruktive Potenzial richtet. Weiterlesen

Avatar – Kolonialer Antikolonialismus

avatar2big

Postkoloniale Kritik oder kolonialer Blick?

Avatar von James Cameron war zur Premiere 2009 und ist nach wie vor ein weitgehend unumstrittener Film und gerade deshalb skandalös. Über 2,7 Milliarden US-Dollar Einspielergebnis, zahllose Fangemeinschaften und nicht zuletzt das Kritikerlob stehen einer marginalen Gruppe von Spaßverderbern gegenüber, die sich entweder als Tabak-Gegner oder Evangelikale ideologisch nicht repräsentiert fanden oder als Filmkritiker an der mangelnden Originalität des Drehbuchs störten. Nur selten wurde man der von Siegfried Kracauer formulierten Aufgabe des Filmkritikers, „die in den Durchschnittsfilmen versteckten sozialen Vorstellungen und Ideologien zu enthüllen und durch diese Enthüllungen den Einfluß der Filme selber überall dort, wo es nottut, zu brechen“, (Kracauer 1932) gerecht. Hanns-Georg Rodek, Die Welt, meinte etwa, die Geschichte „könnte in ihrer antikapitalistischen Moral zusammen von Michael Moore und Greenpeace verfasst worden sein.“ Unter wenigen erkannte Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT, „eine herablassende, ja rassistische Botschaft.“ Cameron selbst, Weiterlesen

Break the Rules – Charli XCX

In Break the rules von Charli XCX wird die Botschaft von Pink Floyd zum Knacks in der Wand gehörig missverstanden in eine jugendsprachliche Ideologie übersetzt. Weiterlesen

Nymphomaniac – Zu Rezeption und Provokation

Dass Filmkritiker in Zeitungen und Blogs Nymphomaniac entweder als Provokation um der Provokation willen oder um eine krude Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten abtun und dabei gern die Versammlung großer Kunst mit wenigen Worten unter dem Teppich verschwinden lassen, mag daran liegen, dass sie Filmkritiker sind und weder von Literatur, noch von Kunst und Musik, noch von der theoretischen Beschäftigung mit eben diesen Ahnung haben. Das ist auch in Ordnung, wenn man für ein breites Publikum mit einem vergleichbaren Wissensstand schreibt und als Hauptkriterium bei der Bewertung noch immer den bloßen Unterhaltungswert heranzieht. Schon in der Weimarer Klassik hat man zuweilen einen Kotzebue lieber gesehen als einen Goethe.

Weiterlesen

Nymphomaniac – Vorwort

Das fünfeinhalbstündige Skandalon vom „enfant terrible“ Lars von Trier ist voller großer Kunst und selbst große Kunst. Es ist ein Meilenstein des Gegenwartskinos, an den man einmal nicht als bloße Provokation oder wegen anstößiger Szenen erinnern sollte. Nein, hinter Nymphomaniac steht viel mehr. Facettenreich und vielschichtig, keinesfalls zu lang, aber auch keineswegs leichte Kurzweil ist er, der aktuellste Von-Trier.

Wie nähert man sich nun dieser filmischen Wucht? Freilich könnte man sich an einem Gesamtbild versuchen oder gar die gesamte Trilogie (deren ersten beide Teile Antichrist und Melancholia sind) im Zusammenhang und als Ganzes betrachten. Eine solche Unternehmung würde aber entweder sehr lang, sehr wissenschaftlich und/oder sehr verkürzend. Dem Film entsprechend möchte ich mich daher in kurz gehaltenen Kapiteln ausgewählten Themen und Aspekten widmen.

Bei der Lektüre viel Spaß wünscht euch

Andreas

Die Passion Christi – Mel Gibsons skandalöse Publikumsbeschimpfung

Mel Gibson – Sadistischer Antisemit?

Was wollte sich ‚Mad Max’-Mel mit seinem zweistündigen Jesusfilm verdienen? Das ewige Paradies oder doch 350 Millionen US-Dollar? Nur Letzteres ist ihm bisher sicher. Weiterlesen