Flop 5 – Die schlechtesten Filme 2016

Es gibt viele schlechte Filme. Erst kürzlich sah ich zum ersten Mal Bridget Jones und musste mir anschließend – zur Erholung von diesem Reinfall – noch Dirty Dancing ansehen. Bridget Jones ist kein guter, aber auch kein besonders schlechter Film, ein bisschen nervig vielleicht, aber gewiss nicht ärgerlich. Die folgenden bringen dagegen beides zusammen. Es sind die schlechtesten und aus verschiedenen Gründen für mich besonders ärgerlichen Filme des Jahres 2016:

 

5. The Danish Girl

Gewiss gab es schlechtere Filme im Jahr 2016. Kaum einer hat mich aber so enttäuscht wie Tom Hoopers The Danish Girl. Lili Elbes konfliktäre Biographie birgt großes Potenzial für die Verhandlung von Fragen der sexuellen Differenz, der medizinischen und psychiatrischen Diskurse um 1900 und weiterem mehr – ein spannungsreiches Bild der Zeit hätte die Verfilmung daraus machen können. Leider bügelt Tom Hooper die Geschichte samt aller Konflikte glatt und lässt nur ein rührseliges Porträt übrig, das keine dringenden Fragen stellt, nicht an die Zuschauerin und nicht an ihre Gegenwart. In rauschende Kostüme und das Gesicht von Eddie Redmayne hat sich die Kamera offenbar so verliebt, dass ihr die wichtigen Details entgehen. Etwa dass Lili Elbe mit männlichen wie weiblichen Sexualmerkmalen geboren wurde, es also nicht um den Wechsel von Mann zu Frau ging, ist dann wohl zu kompliziert und zu dekonstruktiv. Eine allzu biedere Umsetzung einer allzu vernachlässigten Geschichte.

 

4. Demolition

In wahrscheinlich jeder größeren deutschen Stadt kann man Wuträume mieten und erhält damit die Lizenz, alles kurz und klein zu hauen, was vorher für den Kunden aufgebaut wurde. Da eine Stunde bei Jochen Schweizer aber schon 140 Euro kosten kann, hat Jean-Marc Vallée einen Kinofilm daraus gemacht. 100 Minuten für 8,50 Euro. Am Anfang kann man noch Hoffnung hegen, wenn Jake Gyllenhaal zur Traumabewältigung Beschwerdebriefe an einen Automatenaufsteller sendet – ein origineller Einfall. Doch wie seine vollverglaste Wohnung zertrümmert er bald jede Chance, dass daraus noch ein guter Film wird. Zurück zur Natur, zur Kindheit, zum ganz normalen Anormal-Sein – so lautet dann das Credo. Die Lektion: Man muss sich erst einen Nagel in den Fuß treten, damit man sich wieder so richtig spüren kann. Eine pseudo-rousseauistische Ausbruchsphantasie, die immer brav im Rahmen bleibt.

 

3. Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln

Zugegeben: Ich bin kein Freund von Tim Burton-Produktionen. Der erste Teil von Alice war aber immerhin noch genießbar. Den ein oder anderen amüsanten Moment mit Johnny Depp möchte ich nicht leugnen und auch die knallbunte Welt hatte eine gewisse suggestive Wirkung. In Teil zwei findet sich nun nichts dergleichen. Es blitzt und rauscht und knallt, die Crew of Light rast nur so durch diese erdrückend überladenen Schauplätze, denen jede Liebenswürdigkeit fehlt. Vor kalten Kulissen versenkt eine noch kältere Inszenierung die Lewis Carroll-Vorlage in einem Meer aus unerträglichen Effekten und Animationen. Und dann ist da auch noch Sacha Baron Cohen. Ich empfehle: Sparen Sie sich die Zeit!

 

2. Dirty Grandpa

Über die Rente wird ja viel diskutiert: Wie können mehr Menschen eines Landes bei weniger Rentenbeitragszahlenden in Würde altern? Folgt man Dirty Grandpa, ist die Frage falsch gestellt. Denn Robert De Niro, der einst den Taxi Driver und den Raging Bull im wahrsten Sinne verkörperte, scheint nicht in Würde altern zu wollen. Dan Mazer, der bereits an den drei bekannten Baron Cohen-Filmen, BoratBrüno und Der Diktator, mitgewirkt hat, schafft es nun, sich noch zu unterbieten. Körperbetont wird De Niro zwar auch diesmal in Szene gesetzt, leider aber als lüsterner alter Sack, der nur „ficken, ficken, ficken“ will. Zac Efron macht dank Personal Trainer eine bessere Figur, doch auch er rettet diesen homophoben Spring Break-Partyfilm für die Generation Hirnamputiert nicht. Das lärmend hinausgerülpste „Break the rules“, das wir als urbanes Urwaldgeschrei schon in Demolition gehört haben, kommt hier sogar noch normkonformer und biederer daher. Ein ekelhafter und dummer Film.

 

1. Terror – Ihr Urteil

Im Wesentlichen zwei Gründe zwingen mich geradezu, Terror – Ihr Urteil auf den ersten und damit den letzten Platz der schlechtesten Filme 2016 zu wählen. Erstens ist das, was nach minimalistischer Inszenierung klingt, schlicht unfilmisch. Nur 85 Minuten dauert die Alexander Hold-Version für Gymnasiasten und fühlt sich doch zäher an als ein Kaugummi unter der Schulbank. Das Fernsehfilmchen selbst fühlt sich hingegen richtig wichtig und nimmt sich bierernst, wo es doch bestenfalls als ein zu lang geratener Einspieler für hart aber fair, keinesfalls aber als leinwandtauglicher Kinofilm durchgehen kann. Noch ärgerlicher ist zweitens, dass dieser schlechte Film auch noch die Sofajuristerei anruft, über eine längst getroffene Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abzustimmen. Ein paar Minuten blieben den ‚Schöffen‘, schuldig oder nicht schuldig zu wählen, die Server knickten ein, das Ergebnis – eindeutig. Das hohe Gericht hat vom Wohnzimmer aus entschieden, das Bundesverfassungsgericht lag daneben. Auf den Social-Media-Kanälen gab es dann viel im Stile von „Wenn die Theorie auf die Realität trifft“ oder „die Stimme des Volkes“ zu lesen. Vielleicht wäre es gelungen, eine lebendige Debatte anzuregen, hätte sich der Film selbst positioniert anstatt sich dem wohlfeil in einer übertrieben pseudodemokratischen Geste zu entziehen. So aber hat er lediglich der Skepsis gegenüber Institutionen, Bürokratie, Verfassungsgericht, ‚denen da oben‘ Vorschub geleistet. Als Film völlig uninteressant, als mediales Event hochproblematisch hat sich Terror diese Platzierung redlich verdient.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Flop 5 – Die schlechtesten Filme 2016

  1. Ich muss zugeben, dass ich (glücklicherweise) keinen der aufgelisteten Filme gesehen habe. Die Kritikpunkte, oder besser deren Umsetzungen, kann ich mir aber bildlich vorstellen. Vor allem bei Demolition kamen mir nach Sichtung des Trailers ähnliche Gedanken wie dir. 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s