Break the Rules – Charli XCX

In Break the rules von Charli XCX wird die Botschaft von Pink Floyd zum Knacks in der Wand gehörig missverstanden in eine jugendsprachliche Ideologie übersetzt. Besungen wird der Schulschluss, die Abkehr von lehrerhaften, scheinbar beschränkenden Vorschriften. Die Freiheit wolle man, was konkret heißt, die Regeln zu brechen. Das trifft natürlich den Nerv der Generation Saw-Schnapps-Schulabschluss, die sich am Montag in der ersten Pause fragt, was sie am Freitag trinken wollen. Tatsächlich sind Diskothek und Nachtleben auf diese Bedürfnisse angepasst, es gibt Ferienanfangsparties etc. nun das Entscheidende: der quasireligiöse Regelbruch findet überhaupt nicht statt, der Trieb, in dessen exzessiver Auslebung sich ja Freiheit und Regelbruch manifestieren sollen, wird an einen Ort und eine Zeit gebunden, mithin sehr stark reglementiert. Der Regelbruch wird zum Programm (Hangover-Parties, Farbbeutelei), zum berechneten, geplanten Konsumevent. Gefeiert wird also insgeheim eine spießige Angepasstheit, langweiligster Konformismus. Am Montag sitzen eben doch wieder alle um 7:45 im Religionsunterricht. Somit eignet sich das Lied sehr zur Gegenwartsdiagnose: Der Regelbruch ist semantisch entleert und beweist den langweiligsten Konformismus. Bezeichnend auch, dass das Video eben diese Botschaft durch die klare Raumtrennung belebt und durch perfekt durchgestylte Figuren und Bilder entlarvt, was das Lied eigentlich ist: Nicht subversiv, nur leider geil.

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