Nymphomaniac – Zu Rezeption und Provokation

Dass Filmkritiker in Zeitungen und Blogs Nymphomaniac entweder als Provokation um der Provokation willen oder um eine krude Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten abtun und dabei gern die Versammlung großer Kunst mit wenigen Worten unter dem Teppich verschwinden lassen, mag daran liegen, dass sie Filmkritiker sind und weder von Literatur, noch von Kunst und Musik, noch von der theoretischen Beschäftigung mit eben diesen Ahnung haben. Das ist auch in Ordnung, wenn man für ein breites Publikum mit einem vergleichbaren Wissensstand schreibt und als Hauptkriterium bei der Bewertung noch immer den bloßen Unterhaltungswert heranzieht. Schon in der Weimarer Klassik hat man zuweilen einen Kotzebue lieber gesehen als einen Goethe.

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Nymphomaniac – Vorwort

Das fünfeinhalbstündige Skandalon vom „enfant terrible“ Lars von Trier ist voller großer Kunst und selbst große Kunst. Es ist ein Meilenstein des Gegenwartskinos, an den man einmal nicht als bloße Provokation oder wegen anstößiger Szenen erinnern sollte. Nein, hinter Nymphomaniac steht viel mehr. Facettenreich und vielschichtig, keinesfalls zu lang, aber auch keineswegs leichte Kurzweil ist er, der aktuellste Von-Trier.

Wie nähert man sich nun dieser filmischen Wucht? Freilich könnte man sich an einem Gesamtbild versuchen oder gar die gesamte Trilogie (deren ersten beide Teile Antichrist und Melancholia sind) im Zusammenhang und als Ganzes betrachten. Eine solche Unternehmung würde aber entweder sehr lang, sehr wissenschaftlich und/oder sehr verkürzend. Dem Film entsprechend möchte ich mich daher in kurz gehaltenen Kapiteln ausgewählten Themen und Aspekten widmen.

Bei der Lektüre viel Spaß wünscht euch

Andreas